Der Raumlauf – Ankommen im Raum und Ruhe finden zum Spiel

Zeitlicher Rahmen 15-30 Minuten
Sozialform Großgruppe
Altersgruppe/Zielstufe geeignet ab dem Kindergarten bis ins Erwachsenenalter
Voraussetzungen Keine
Benötigte Materialien Ggf. Plakat mit Begriffen und Handout dazuGgf. ruhige Musik ohne Gesang und Abspielgerät
Schlagworte/Tags/ Kategorien Ankommen, ruhig werden, Raumwahrnehmung, Körperwahrnehmung, Konzentration

raumlaufDer Baustein im Überblick
Bei einem Raumlauf gehen die Teilnehmerinnen für sich in einem begrenzten Raum. Die Spielleitung gibt dabei Impulse, um die Konzentration der Spielerinnen auf unterschiedliche Aspekte zu lenken und somit den Körper und die Aufmerksamkeit auf das gemeinsame Spiel im Anschluss vorzubereiten.

 

Ablauf
Ein Raumlauf wird immer in einem begrenzten Raum durchgeführt, welcher auf die Gruppengröße angepasst werden sollte. Die Teilnehmerinnen sollten sich frei bewegen können und sich nicht in einem zu großen Raum verlieren. Währenddessen kann Musik abgespielt werden.
Die Spieler
innen beginnen sich in ihrem eigenen Tempo kreuz und quer durch den Raum zu bewegen. Sie konzentrieren sich dabei ausschließlich auf sich selbst. Dabei müssen sie darauf achten, sich nicht gegenseitig anzustoßen, nicht in Grüppchen und nicht einfach im Kreis zu laufen. Der Raum soll dabei so ausgefüllt werden, dass alle Personen zu jeder Zeit gleichmäßig verteilt sind. Zur Veranschaulichung wird das Bild einer Eisscholle[1] eingeführt, welche ins Schwanken gerät, sobald das Gewicht darauf zu einseitig verteilt wird.
Das einfache Laufen kann begleitet werden durch Impulse zur Körperwahrnehmung. So wird die Konzentration beispielsweise auf das Abrollen der Füße, in die Fingerspitzen oder die Schultern gelenkt.
Sobald die Spielerinnen das Laufen entsprechend der Vorgabe ausführen, können weitere Impulse gegeben werden. Für jeden neuen Begriff muss ausreichend Zeit zur Umsetzung und Erprobung zur Verfügung gestellt werden. Die Spielerinnen erhalten so die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, sich zu konzentrieren und ihre Wahrnehmung zu schulen.
Als nächstes wird der Blick der Spielerinnen gelenkt. Dieser sollte nicht wahllos, sondern fokussiert sein. Im Augenwinkel sollte jedoch immer der gesamte Raum im Blick bleiben, um das Prinzip der Eisscholle verfolgen zu können und die Mitspielerinnen wahrzunehmen.
Nun können verschiedene Geschwindigkeiten auf einer Skala von 1-5 eingeführt werden, wobei 1 am langsamsten, 3 die normale Schrittgeschwindigkeit und 5 die maximale Geschwindigkeit ist. Insbesondere auf Stufe 5 muss darauf geachtet werden, dass sich die Teilnehmerinnen nicht gegenseitig anstoßen. Die Begriffe werden durch die Spielleitung in unterschiedlichen Abständen angesagt. Für die Einführung neuer Begriffe ist es ratsam, in normaler Schrittgeschwindigkeit (3) zu gehen.
Nun kann das Freeze eingeführt werden. Durch einmaliges Klatschen der Spielleitung oder Ausschalten der Musik ‚frieren‘ die Spieler
innen auf der Stelle in ihrer Bewegung ein. Auf ein weiteres Klatschsignal gehen die Spielerinnen weiter. Nach mehrfachem Ausprobieren können weitere Begriffe, wie Springen auf zweimaligem Klatschen oder Rückwärtsgehen eingeführt werden (vgl. Varianten).
Der Raumlauf geht häufig in weiterführende Übungen über. Entsprechend werden Impulse durch die Spielleitung in die Gruppe gegeben (vgl. Figurenentwicklung durch Raumlauf). Einen klaren Abschluss gibt es nicht, wobei der Raumlauf immer in normaler Schrittgeschwindigkeit ohne weitere Impulse oder Vorgaben enden sollte.
Unter Umständen kann es auch wichtig sein, die Übung mit den Teilnehmer
innen zu reflektieren und den Sinn dahinter zu erfragen, nämlich das Ankommen im Raum und in der Gruppe sowie die eigene Körperwahrnehmung.

[1] Czerny bezeichnet dieses Prinzip als „Tablett“, welches nicht „kippen“ darf (vgl. Czerny 2010: 42f).

Bezüge zur Sprachförderung
Der Raumlauf bietet einige Anreize des Hörverstehens. Die Begriffe, die eingeführt werden, werden direkt mit dem eigenen Körper umgesetzt, sodass ein sinnliches Lernen stattfinden kann. Unklare Begriffe, werden durch die Großgruppe aufgefangen. Sie bietet Schutz und die Möglichkeit des Verstehens durch Imitation der Mitspielerinnen. Die Wiederholung der Begrifflichkeiten vertieft den Lernprozess zusätzlich.
Als Hilfestellung zur Einführung der unterschiedlichen Begriffe kann ein Plakat, welches auch als Handout für die Teilnehmer
innen zur Verfügung gestellt werden kann, dienen. Hierauf sind die wichtigen Begriffe vermerkt und der Begriff der Eisscholle wird visuell verdeutlicht. (Das beigefügte Modell kann durch weitere Begriffe nach den entsprechenden Bedürfnissen vervollständigt werden).

Materialien/zusätzliche Informationen
Czerny, Gabriele (2010): Theater-SAFARI. Praxismodelle für die Grundschule, Braunschweig.

Varianten
Die Signale können von Spielleitung zu Spielleitung variieren. Wichtig ist dabei, konsequent ein Signal einem Begriff zuzuordnen und diese nicht zu mischen. Ist der Raumlauf einmal mit seinen verschiedenen Begriffen eingeführt, bildet er eine feste Größe zu Beginn theaterpädagogischer Einheiten und kann sich zu einem Einstiegsritual entwickeln.
Der Raumlauf bietet viele Variationsmöglichkeiten, die sich flexibel einsetzen lassen und auf weitere Inhalte beziehen können. Im Folgenden soll eine kleine Auswahl interessanter Variationen angeführt werden:

Raumlauf mit Begrüßungen
Einen lockeren Einstieg in den Raumlauf bietet die Möglichkeit, die anderen Spieler*innen auf unterschiedliche Art und Weise zu begrüßen. Hierbei kann der Schwerpunkt sowohl auf Emotionen als auch auf Körperteilen beruhen: „Begrüßt euch, als hättet ihr euch seit Jahren nicht mehr gesehen.“, „Begrüßt euch mit den Ellbogen.“.

Raumlauf als Gruppenwahrnehmung
Bei dieser Variante liegt der Schwerpunkt auf dem peripheren Blick und dem Fokus der Spielerinnen. Aufgabe ist es, einen Blickpunkt zu fixieren und zu verfolgen, dabei jedoch nie die Gesamtgruppe aus den Augen zu verlieren. Auf ein Klatschen der Spielleitung hin, gehen die Spielerinnen ins Freeze über und schließen die Augen. Daraufhin fragt die Spielleitung nach der Position einer bestimmten Person (die Teilnehmerinnen sollten die Namen ihrer Mitspielerinnen bereits kennengelernt haben). Die Spielerinnen deuten blind mit dem Finger auf die vermutete Stelle. Ein weiteres Klatschen signalisiert das Öffnen der Augen und das Weitergehen. Die Spielerinnen können nun sehen, ob sie richtig lagen.
Die Fragen können sich auch auf Kleidungsstücke beziehen: „Welche Farbe hat das T-shirt von …?“. Die Spieler versuchen sich dann aus ihrer Wahrnehmung heraus zu erinnern und rufen die Farbe rein.

Raumlauf zur Gruppenwahrnehmung und als Vertrauensspiel
Auch diese Variante trainiert den peripheren Blick, fungiert aber zugleich als Vertrauensspiel für den Zusammenhalt der Gruppe. Eine Person aus der Gruppe bleibt ohne ein besonderes Signal zu erhalten oder zu geben, stehen. Der Rest der Gruppe muss dies während des Raumlaufes so schnell wir möglich wahrnehmen und ebenfalls stehenbleiben. Sobald die gesamte Gruppe steht, läuft eine Person weiter (es muss nicht dieselbe Person sein, die zuvor stehengeblieben ist) und alle Spielerinnen fallen wieder in das Raumlaufschema zurück, bis erneut eine Person stehen bleibt.
Sobald die Gruppe diese Übung beherrscht, kann die Variante gesteigert werden. Die Person, die stehenbleibt, lässt sich mit gespannter Körperhaltung langsam in eine Richtung fallen. Die anderen Spieler
innen müssen dies wahrnehmen und die Person auffangen. Natürlich muss die fallende Person ihren Mitspielerinnen die Möglichkeit bieten, sie aufzufangen. Es sollte sich daher immer nur eine Person fallenlassen. Bei unerfahreneren Gruppen empfiehlt sich hierbei ein auditives Signal einzuführen, wie beispielsweise Schnipsen oder Klatschen. Somit wird die Aufmerksamkeit der Spielerinnen darauf gelenkt, jemanden auffangen zu müssen. Die Furcht, nicht aufgefangen zu werden, nimmt ab.

Raumlauf als Sprechübung
Während die Teilnehmerinnen laufen, suchen sie sich einen Gegenstand im Raum aus. Auf ein Signal der Spielleitung hin, bleiben die Spielerinnen stehen, drehen sich in Richtung des gewählten Objekts, deuten darauf und sagen laut und deutlich, um welchen Gegenstand es sich handelt. Beispiel: „Der Stuhl!“. Für die Sprachförderung ist es wichtig, Wert auf den Artikel zu legen. Der Gegenstand kann zunächst in der Muttersprache der Teilnehmer*innen benannt werden und sollte neben den weiteren Variationen des Raumlaufs wiederholt werden. Anschließend kann der Begriff dann in übersetzter Form genannt werden. Hierbei können auch neue Vokabeln eingeführt werden und gegebenenfalls mit Moderationskarten an den entsprechenden Gegenstand geheftet werden.
Es ist auch möglich auf einen zuvor festgelegten Gegenstand zu deuten und einen falschen Begriff zu nennen. Beispielsweise wird auf ein Fenster gedeutet und die Person ruft: „Das Auto“. Auf diese Weise können Schwierigkeiten des Vokabulars übergangen werden. Im Vordergrund steht die laute, klare und bestimmte Aussage.
Darüber hinaus kann auch ein fester Satz eingeführt werden, der auf ein Signal hin mit einer klaren Reaktion des Körpers in verschiedenen festgelegten Emotionen gesagt werden kann.

Autorenschaft
Katharina Gmeinwieser

cc-liz-symb

Dieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Katharina Gmeinwieser für «Filme fördern Sprache»

 

 

 

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