Die Storyentwicklung – Vom Ort über die Person zur Geschichte

Zeitlicher Rahmen: 3 Stunden
Sozialform: Kleingruppenarbeit, Tandem, Einzelarbeit
Altersgruppe: Sek I und II
Voraussetzungen:  
Benötigte Materialien: 1 Tablet / Smartphone pro Kleingruppe
Schlagwörter/ Tags/Kategorien: Umgebung kennenlernen, Lebensweltbezug schaffen, kommunikativ, situationsorientiert, Vorerfahrungen, Ideenfindung, Storyentwicklung

Der Baustein im Überblick

Die Teilnehmer*innen entwickeln in Kleingruppen (4er-Gruppen) Filmideen und gehen dabei von konkreten Orten aus, die sie aufsuchen und dabei erkunden, welches Erzählpotenzial die Orte bieten.

Beschreibung/ Ablauf

Die Kleingruppen haben vorab das Gelände und das nähere Umfeld erkundet und kennen die möglichen Schauplätze für den Film bereits. Nun erhalten sie den Auftrag einen Schauplatz aufzusuchen, der ihrer Meinung nach besonders interessant, schön oder unheimlich etc. ist.

Jeder Kleingruppe steht ein mobiles Gerät oder eine Fotokamera zur Verfügung. Damit sollen sie nun fünf möglichst aussagekräftige und gleichzeitig unterschiedliche Fotos vom gewählten Schauplatz machen. Es geht darum, interessante Kamerastandpunkte herauszufinden.

Nach 15-20 Minuten kehren die Teams ins Plenum zurück und geben ihre Fotos jeweils an eine andere Gruppe weiter (idealerweise direkt auf einem Tablet). Die Fotos der anderen Gruppen werden in den Kleingruppen zunächst betrachtet, dann sollen die Orte und ganz konkret die Kamerapositionen ausfindig gemacht werden, von denen aus die Fotos geschossen wurden.

Die Teilnehmer*innen setzen sich dabei mit der Situation vor Ort genau auseinander und analysieren durch das Vergleichen der Fotos mit eigenen Bildausschnitten die visuelle Oberfläche des Schauplatzes.

Nachdem die vermuteten Kamerastandpunkte gefunden und markiert wurden, erhalten die TN den Auftrag, sich zunächst einzeln zu überlegen, welche Handlungen bzw. Geschichten sich an betreffenden Schauplatz abgespielt haben oder in Zukunft abspielen könnten. Ein Handout strukturiert den Denkprozess durch wenige Leitfragen:

  • Was würdest du gerne an diesem Ort erleben?
  • Was möchtest du auf keinen Fall an diesem Ort erleben?
  • An welche Personen denkst du, wenn du an diesem Ort bist und die Augen schließt?
  • Wer wohnt hier und wie sieht wohl der Alltag der Person aus?
    • Geschlecht
    • Alter
    • Größter Wunsch
    • Geheimnis
    • Bester Freund
    • Dinge, die sie mag
    • Dinge, die sie nicht mag

Die TN notieren ihre Ideen schriftlich, wobei die ihnen die verwendete Sprache freigestellt ist. Anschließend berichten sich immer zwei TN (mit verschiedener Herkunft) gegenseitig von ihren Ideen. In dieser Phase sollte darauf geachtet werden, dass die Jugendlichen sich auf Deutsch unterhalten.

Wieder in der Kleingruppe (4er-Gruppe) einigen sich die TN auf eine der Figuren bzw. erschaffen eine Mischfigur, die mehrere Eigenschaften vereinigt. Diese Figur muss nun in eine kurze Filmhandlung eingebettet werden. Die Handlung muss zur Figur (Steckbrief) und zum Ort passen. Die Filmhandlung darf nur 5 Einstellungen (max. eine Minute) umfassen und wird nach kurzer Absprache direkt filmisch umgesetzt. Wichtig für den kommunikativen Sprachprozess ist, dass die TN in dieser Phase unter sich sind – ohne die Präsenz der Teamer.

Variante: Die Teamer haben zuvor die Schauplätze erkundet und die aus ihrer Sicht wichtigsten Objekte und Gegenstände mit Wortkarten markiert. Auf den Karten stehen die Bezeichnungen der Gegenstände und Objekte in deutscher Sprache. Die Vorgabe kann anschließend lauten, eben jene Gegenstände in die kurze Filmhandlung einzubinden.

Zum Abschluss der Übungsphase kehren alle Kleingruppen ins Plenum zurück und präsentieren ihre kurzen Filmhandlungen und stellen ihre Figuren vor. Handlungen und Figuren werden anschließend daraufhin untersucht, ob sich eine Geschichte oder Teile einer Geschichte daraus entwickeln lassen.

Bezüge zur Sprachförderung

In der Übung werden auf verschiedenen Ebenen Bilder als Sprech- und Kommunikationsanlass genutzt. Beim Fotografieren interessanter Ausschnitte eines Schauplatzes ist ebenso Absprache erforderlich, wie wenn vom vorhandenen Bild die Kamerastandpunkte ermittelt werden müssen. Das Setting enthält individuelle Arbeitsphasen (sich sammeln, Ideen entwickeln und notieren) und baut darauf Tandemaktivitäten auf, bei denen Kommunikation unausweichlich ist (gegenseitig Figuren vorstellen). Die Variante mit den Wortkarten gibt Orientierung und schafft einen gemeinsamen Wortschatz, der die Verständigung am Schauplatz in der Fremdsprache erleichtert.

Bezüge zur Medienbildung/Medienkompetenz

Der produktive und der analytische Umgang mit Fotos am Schauplatz sensibilisiert für die visuelle Beschaffenheit eines Settings und fordert dazu heraus, aussagekräftige Bildausschnitte zu ermitteln. Form und Inhalt werden verbunden. Die Fotos zwingen zur formalästhetischen Auseinandersetzung und schaffen Anknüpfungspunkte für die narrative Kreativität ausgehend von den örtlichen Rahmenbedingungen.

Autorenschaft

Jannik Barabas

cc-liz-symbDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Jannik Barbaras für «Filme fördern Sprache»

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