Suspense-Spannung – Einmal wie Hitchcock filmen

Zeitlicher Rahmen Ca. 45 Min.
Sozialform Die Großgruppe wird in mehrere 4er-Gruppen aufgeteilt.
Altersgruppe/Zielstufe geeignet ab 12 Jahren
Voraussetzungen grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Kamera bzw. Tablet od. Mobile, Stativ & Mikrofonangel; Erfahrungen mit dem Kameraschnittverfahren, Sicherer Umgang mit Handlungsauflösung, Emotionsarbeit
Benötigte Materialien je eine Kamera bzw. Tablet od. Mobile, ein Stativ und eine Mikrofonangel pro 4er-Gruppe; Beamer & Notebook zur Präsentation
Schlagworte/Tags/Kategorien Kommunikation, Handlungsauflösung, Spannungskonzepte, Suspense, Handlungsauflösung, Emotionsführung

Der Baustein im Überblick

In einer rein praktischen Übung erhalten die Teilnehmer die Gelegenheit die bereits gewonnen Kenntnisse über die filmischen Gestaltungsmittel in einer in sich geschlossenen kurzen Handlung zu erproben. Die Spannung ist das zentrale Element in der Dramaturgie und der filmischen Umsetzung: Die Teilnehmer erlernen das Konzept der Suspense-Spannung und in Abgrenzung dazu auch die anderen Spannungskonzepte.

Beschreibung/Ablauf

Ohne theoretische Einführung erhalten die Teilnehme*innen in 4er-Gruppen den Auftrag eine kurze Szene in mehreren (!) Einstellungen zu filmen, in der der handelnden Person etwas Unerwartetes zustößt bzw. sie in Gefahr gerät. So weit, so banal: Das Besondere der Szene soll sein, dass diese so gefilmt wird, dass der Zuschauer weiß, dass der Protagonist in Gefahr schwebt, der Protagonist selbst jedoch nicht. Diese Übung sollte eher im späteren Verlauf einer filmischen Einheit stattfinden, da hierfür detailliertere Kenntnisse in den Bereichen Kameraführung, -perspektiven und Einstellungsgrößen nötig sind. Diese Voraussetzungen ermöglichen es aber auch, dass die Teilnehmer ohne große Einführung in die Übung geschickt werden. Möglich wäre (im Interesse der Methodenvielfalt) auch die Verteilung eines schriftlichen Arbeitsauftrags. Zur Verfilmung der Szene stehen 30 Minuten zur Verfügung.

Da bei dieser Übung nicht viel schief gehen kann, können sich die Betreuer auch komplett zurückziehen und die Teilnehmer somit auch vor die Aufgabe stellen, auftauchende Probleme selbstständig oder im Austausch mit anderen Kleingruppen zu lösen.

Die anschließende Reflexion sollte den Teilnehmern zum einen die Möglichkeit bieten, die eigenen Erfahrungen zu versprachlichen, aber zeitgleich auch die verwendeten filmischen Gestaltungsmittel zu reflektieren und somit auch deren Wirkung und Funktionsweise zu festigen. Da bei dieser Übung ein Schwerpunkt auf die Suspense-Spannung gelegt wird, bietet sich natürlich auch die Möglichkeit filmgeschichtliches Wissen zu vermitteln, indem man sich anhand eines Ausschnitts ansieht, wie der „Meister der Suspense“ Alfred Hitchcock das Konzept geprägt hat. Die Betreuer geben schließlich noch den Impuls, dass sich die Teilnehmer die anderen Spannungskonzepte (Protagonist weiß mehr als der Zuschauer / Protagonist und Zuschauer wissen dasselbe) selbst imaginativ erarbeiten können.

Bezüge zur Sprachförderung

Die Übung ist, was die Anforderungen an die Sprachfähigkeit der Teilnehmer angeht, eher im mittleren Bereich anzusiedeln, da sie zwar zum einen nicht mehr niederschwellig angelegt ist, jedoch auf der anderen Seite durch die verschiedenen Rollen am Filmset Potenziale für verschiedene Sprachfähigkeiten bestehen.

Insgesamt bieten sich in dieser Übung natürlich enorme Potenziale für die Sprachförderung, da die Teilnehmer im kooperativen Austausch eine gesamte Szene zunächst handlungsdramaturgisch und anschließend filmästhetisch planen müssen. Hier entstehen authentische Kommunikationsanlässe in Diskussionsform, vor allem in der Reflexion der filmischen Wirkung im Voraus. Darüber hinaus sind die Teilnehmer darauf angewiesen, sich beim Dreh gegenseitig Anweisungen zu geben und müssen somit im stetigen Austausch stehen.

Auch während der Reflexion und der impulsgeleiteten Erarbeitung weiterer Spannungskonzepte sind die Teilnehmer stetig in die Prozesse Sprachproduktion und Hör-Verstehen eingebunden.

Bezüge zur Medienbildung/Medienkompetenz

Ziel der Übung ist das Erlernen verschiedener Spannungsdramaturgien. Erprobt und filmisch umgesetzt wird hierbei das Suspense-Spannungskonzept, wodurch sich jedoch in Abgrenzung dazu auch die anderen beiden Spannungskonzepte erschließen: Protagonist und Zuschauer haben denselben Wissenstand bzw. Protagonist hat einen Wissensvorsprung gegenüber dem Zuschauer.

Gefestigt werden in der Übung jedoch außerdem verschiedene formalästhetische Gestaltungsmittel des Films, die hier im Rahmen einer konkreten Handlung / Szene erprobt und übertragen werden können: Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven, Kameraführung, Handlungskontinuität, Figurencharakterisierung und die schauspielerische Emotionsführung. Zudem führt die Übung natürlich auch zu genrespezifischem Gestaltungswissen, hier im Bereich des Horrorfilms bzw. Thrillers.

Autorenschaft

Michael Dostler

Lizenzmodell
cc-liz-symb
Dieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Michael Dostler für «Filme fördern Sprache»

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