Figurenentwicklung durch den Raumlauf – Figuren zum Spiel aus dem Nichts entwickeln

Zeitlicher Rahmen 20-40 Minuten
Sozialform Großgruppe
Altersgruppe/Zielstufe geeignet ab dem Kindergarten bis ins Erwachsenenalter
Voraussetzungen Einführung der Begrifflichkeiten des Raumlaufs und des Status
Benötigte Materialien Ggf. Steckbrief
Schlagworte/Tags/ Kategorien Konzentration, Raumwahrnehmung, Körperwahrnehmung, Figurenentwicklung, Status, Raumlauf

Der Baustein im Überblick

Während die Teilnehmer*innen für sich durch den Raum laufen, werden Impulse gegeben, die sich auf die Körperwahrnehmung konzentrieren. Hieraus entwickelt sich eine konkrete Figur, welche anhand von charakterbezogenen Fragen weiter ausdifferenziert wird.

Ablauf

Nachdem die grundlegenden Begriffe des Raumlaufs eingeführt wurden, wird der Schwerpunkt auf den Körper gelegt. Die Spielerinnen laufen normal im Raum. Die Spielleitung gibt Bewegungsimpulse: „Jetzt bewegt ihr euch so, als würdet ihr an der Nasenspitze gezogen“. Die Spielerinnen bekommen Zeit, die unterschiedlichen Möglichkeiten dieser Vorgabe auszuprobieren. Anschließend können weitere Körperteile an imaginären Fäden gezogen werden. Wichtig ist dabei, den Spieler*innen ausreichend Zeit zur Verfügung zu stellen, die Vorgaben umzusetzen. Die Bewegungsart des Gezogenwerdens kann auch durch Gewichte ersetzt werden:

„Stellt euch vor ihr habt ein Gewicht im linken Knie, das euch nach unten zieht!“.

Eine weitere Methode ist, den Körperteilen Eigenschaften zuzuteilen: „Eure Füße sind jetzt ganz neugierig!“. Die Spielerinnen setzen die Vorgaben nach ihren Vorstellungen und für sich um.
Wenn möglichst unterschiedliche Körperhaltungen und Bewegungsarten ausprobiert wurden, bekommen die Spieler
innen Zeit, eine oder mehrere davon zu wiederholen, bei denen sie sich gut gefühlt haben. Hierbei werden Impulse in  Bezug auf die Figur gegeben:

„Wer könnte sich so bewegen?“, „Welche Eigenschaften könnte so ein Mensch haben?“.

Die Spieler agieren immer klarer in einer Figur. Es gelten weiter die Vorgaben des Raumlaufs, welche zwischendrin eingebaut werden können. So bewegt sich die Figur beispielsweise schneller, langsamer, bleibt stehen, friert ein etc.. Sobald die Spielerinnen unterschiedliche Vorgaben ausgeführt haben, können sie für ihre Figur entscheiden, auf welche Weise diese sich bewegt, ohne dass Vorgaben gemacht werden. Jeder Spieler bleibt weiterhin für sich. Es kristallisiert sich bereits eine Figur heraus.
Anschließend können Emotionen miteinfließen oder biografische Impulse gegeben werden: „Wie alt bist du?“, „Wie heißt du?“.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Figurenentwicklung ist die Entscheidung über den Status. Diese bestimmt über die Art der Interaktion mit anderen Figuren. Sobald die Spieler, durch das Ausprobieren mehrerer Statusstufen, ihren Status festgelegt haben, können spielerische Impulse gegeben werden, die die Spieler
innen zu kleineren Improvisationen auffordern. Die Spielerinnen dürfen die Figuren der anderen wahrnehmen und mit ihrer Figur darauf reagieren. Hierzu eignet sich beispielsweise die Aufgabe, die anderen zu begrüßen. „Improvisation wird gezielt eingesetzt, um die Figur im Spiel zu ’schöpfen‘, ihr zu einer Körperlichkeit und einer Sprache zu verhelfen“ (Kramer-Länger 2013: 153).
Am Ende dieser Phase, die individuell variiert und verlängert/verkürzt oder erweitert werden kann, sollten alle Spieler
innen eine klare Figur vor Augen haben. Wenn mit dieser Figur weiterhin gearbeitet werden soll, ist es hilfreich die wichtigsten Eigenschaften in einem Steckbrief festzuhalten. Diese Niederschrift verfestigt zusätzlich die Figur und hilft weitere Unklarheiten einzudämmen. Im Anschluss an das Ausfüllen des Steckbriefes sollte ein gemeinsamer Austausch in Kleingruppen stattfinden.

Bezüge zur Sprachförderung

Der Kontakt mit Sprache wird vorrangig über das Hörverstehen hergestellt. Die Aufgaben und Begriffe, die durch die Spielleitung eingeführt werden, müssen verstanden und umgesetzt werden. Die bekannten Begriffe des Raumlaufes vereinfachen die Umsetzung. Des Weiteren werden Fragen zur Person gestellt, die auch zu Beginn des Spracherwerbs eine Rolle spielen.
An die Phase der Rollenentwicklung im Raumlauf schließt sich eine Reflexionsphase an, in der alle Spielerinnen einen Steckbrief über ihre Figuren ausfüllen. Hier kommen auch schriftsprachliche Kompetenzen und Ausdrucksfähigkeiten zum Tragen. Dies sollte in Einzelarbeit durchgeführt werden, nach einer gewissen Zeit sollten sich die Spielerinnen aber austauschen, um sich gegenseitig Hilfestellung auf sprachlicher wie auch auf kreativer Ebene bieten zu können.

Bezüge zur Medienbildung/Medienkompetenz

Es bestehen keine direkten Bezüge zur Medienbildung.

Materialien/zusätzliche Informationen

Czerny, Gabriele (2010): Theater-SAFARI. Praxismodelle für die Grundschule, Braunschweig.

Kramer-Länger, Mathis (2013): Improvisation. In: Felder, Marcel u.a.: Studienbuch Theaterpädagogik. Grundlagen und Anregungen, Zürich.

Varianten

Im Spiel mit Kindern können Figuren auch aus Bewegungsarten und Verhaltensweisen von Tieren entwickelt werden (vgl. Czerny 2010: 60 f.). Dabei sollte betont werden, dass Tiere auch dargestellt werden können, ohne auf allen Vieren zu krabbeln. Nachdem einige Tiere ausprobiert wurden, werden figurenbezogene Impulse gegeben: „Was für ein Mensch könnte sich so bewegen?“.

Autorenschaft

Katharina Gmeinwieser

Lizenzmodell

cc-liz-symbDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Katharina Gmeinwieser für «Filme fördern Sprache»

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