Auflösung eines Dialogs – Wie im Film miteinander gesprochen wird

Zeitlicher Rahmen Ca. 60 Min.
Sozialform Die Großgruppe wird in mehrere 3er-Gruppen aufgeteilt.
Altersgruppe/Zielstufe geeignet ab 10 Jahren
Voraussetzungen grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Kamera & Stativ; Erfahrungen mit dem Kameraschnittverfahren
Benötigte Materialien je eine Kamera & ein Stativ pro 3er-Gruppe; Dialogvorgabe; Beamer & Notebook zur Präsentation
Schlagworte/Tags/Kategorien Kommunikation, Dialog, Auflösung, 180-Grad-Regel, Over-The-Shoulder, Schuss-Gegenschuss

Der Baustein im Überblick

In einem praktischen und einem rezeptiven Teil erlernen die Teilnehmer*innen, wie Dialoge filmisch umgesetzt werden. Wie kann ein Dialog mit einfachsten Mitteln verfilmt werden? Welche Einstellungen werden üblicherweise gedreht und wie passen diese später im Schnitt zusammen?

Beschreibung/Ablauf

Die Übung beginnt mit einem praktischen Teil, in dem die Teilnehmerinnen in 3er-Gruppen vor die Aufgabe gestellt werden, einen Dialog, den man ihnen vorgibt, filmisch umzusetzen. Die Dialogvorgabe stammt hierbei aus einem bestehenden Film, sodass man im Anschluss die Ergebnisse der Teilnehmerinnen mit dem Originalfilm vergleichen kann. Damit die Teilnehmer die Übung so frei wie möglich umsetzen können und ihre eigenen Lösungsmöglichkeiten finden können, wird auf eine theoretische Einführung zu Beginn verzichtet, sondern die Teilnehmer*innen werden mit einem offenen Arbeitsauftrag in die Übung geschickt:

„Verfilmt den Dialog! Überlegt Euch dabei, an welchen Stellen die Kamera stehen könnte. Wann kann die Kamera die Position wechseln?“

Da die Teilnehmer bereits aus früheren Übungen mit dem Kameraschnittverfahren vertraut sind, können sie mit dieser Anweisung umgehen.

Für die Verfilmung des Dialogs stehen den Teilnehmerinnen 25 Minuten zur Verfügung, sodass genügend Zeit besteht, den Dialog ggfs. auswendig zu lernen und auf vielfältige Weisen zu erproben. Während der Übung bleiben die Betreuerinnen in der Nähe, sodass die Teilnehmerinnen bei Problemen unterstützt werden können. Im Anschluss an die Übung werden die Ergebnisse der 3er-Gruppen präsentiert und zunächst untereinander verglichen (ca. 10 Minuten). Hierbei tauschen die Teilnehmerinnen ihre verschiedenen Ideen und Lösungen aus und treten somit miteinander in einen kritischen Austausch über die eigenen Ergebnisse.
Übergehend in einen abschließenden theoretischen Teil der Übung wird den Teilnehmerinnen der Ausschnitt aus der filmischen Vorlage des Dialogs gezeigt, woraufhin sie ihre vielfältigen Ergebnisse mit dem Original vergleichen. Um die im Film verwendeten Einstellungen nochmals zu festigen, wird anschließend die Dialog Situation im Lernraum nachgestellt. Zwei Stühle werden einander gegenübergestellt, worauf zwei der Teilnehmerinnen Platz nehmen. Die restlichen Teilnehmerinnen sollen nun mit einer Kamera, die per Live-View mit dem Beamer verbunden ist, die im Ausschnitt verwendeten Einstellungen nachstellen. So festigen sich die üblichen Einstellungen in der Dialogauflösung (Master-Shot, Schuss-Gegenschuss, Subjektive & Over-The-Shoulder). Entweder fällt den Teilnehmerinnen in diesem Zuge selbst auf, dass die 180-Grad-Regel eingehalten wird, oder man kann die Überlegung durch die simple Frage „Warum wird nie von der anderen Seite gefilmt?“ anregen. Zur abschließenden Festigung bietet sich ein Handout an.

Bezüge zur Sprachförderung

Die Übung dient als kommunikativer Sprechanlass. Kommuniziert wird nicht nur vor der Kamera, sondern vor allem hinter der Kamera: Die Umsetzung muss geplant werden sowie Anweisungen zwischen Kamera und Schauspielern getätigt werden. Geübt werden zum einen ein alltäglicher Wortschatz (im Dialog selbst) und zum anderen der filmische Wortschatz im Rahmen von filmästhetischen Begriffen. Darüber hinaus wird durch die Dialogvorgabe das Lesen, Verstehen und auch Vorlesen geschult. In der Reflexionsphase setzt das kritische Sprechen ein, indem die Teilnehmer ihr eigenes Ergebnis mit den Ergebnissen der anderen vergleichen. Die Schauspieler der filmischen Vorlage sind außerdem als Sprachvorbilder zu sehen, wodurch zudem das Hör-Verstehen geschult wird. Schließlich bietet sich den Teilnehmern in der theoretischen Teil die Möglichkeit, filmische Wirkungen zu versprachlichen. Die Übung lebt also zum einen von ritualisierbarer, planbarer Kommunikation beim Dreh, aber auch der spontanen Kommunikation in der Reflexionsphase.

Bezüge zur Medienbildung/Medienkompetenz

Die Übung stellt einen niederschwelligen Zugang zur filmischen Auflösung dar. Den Teilnehmern wird schnell klar, dass ein Dialog nicht nur aus einer Einstellung gefilmt werden kann, da er sonst schnell langweilig wirkt. Mit dieser Motivation setzen sich die Teilnehmer mit verschiedenen Einstellungsgrößen und Kameraperspektiven auseinander und lernen die filmischen Konventionen der Dialogauflösung kennen. Im Zuge der 180-Grad-Regel kommen die Teilnehmer auch mit den filmischen Achsen in Kontakt.

In diesem Sinne werden die Teilnehmer zum einen für die Berücksichtigung der filmischen Wirkung und zum anderen für die Diskontinuität der filmischen Arbeit sensibilisiert. Bereits während dieser kurzen Szene wird mehrfach unterbrochen und die Position der Kamera variiert, sodass die Teilnehmer ein Gefühl für den später wichtigen Schnitt bekommen. Insgesamt stellt die Übung aber auch eine Einführung in den Ablauf am Set dar, da hier in komprimierter Form bereits deutlich wird, wie die Struktur am Set sich gestaltet.

Materialien

Skizze Dialogauflösung

Links

http://www.movie-college.de/filmschule/filmgestaltung/aufloesung.htm

http://www.frickfilm.de/Service/Seminare/Reader_Elemente_filmische_Gestaltung.pdf (Seiten 7 & 8)

Autorenschaft

Michael Dostler

Lizenzmodell

cc-liz-symbDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz

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