Fotoboarding

Ziel des Fotoboarding ist die visuelle Umsetzung der Filmgeschichte. Die Teilnehmer*innen überlegen sich dabei ganz konkret, wie sie Szene für Szene im Raum gestalten wollen. Sie fotografieren in Einzelbildern, welche Film-Einstellungen sie für die Geschichte später benötigen. Damit wird das Fotoboard zum zentralen Planungs- und Kommunikationsinstrument für den Dreh.

Festgelegt werden u.a.:

  • Die Anzahl der Einstellungen, in die die Handlung aufgelöst werden soll.
  • Für jede Einstellung werden der konkrete Kamerastandpunkt, die Einstellungsgrösse, die Kameraperspektive und – bei Bedarf – die Kamerabewegung festgelegt.
  • Die Positionen der Figuren und Requisiten im Bild.
  • Die Dialoge im Form von Sprechblasen.
Vorarbeiten

Bevor das Fotoboard erstellt werden kann, muss die Grundidee einer Szene entwickelt und der Schauplatz bestimmt sein. Zum Beispiel: «Zwei Wanderarbeiter betreten eine Pension und fragen nach einem freien Doppelzimmer». Schauplatz: «Der Eingangsbereich eines Jugendzentrums».

Arbeitsschritte
  • Abklären, ob und inwieweit der Schauplatz verändert werden muss, um die gewünschte filmische Wirkung zu erzielen (Bsp.: Das Schild Rezeption).
  • Überlegen, wie sich die Szene an dem Ort konkret abspielen soll (Schauspielprobe). Wer steht wo und wohin bewegen sich die Schauspieler/innen?
  • Überlegen, welche Einstellungen nötig sind, um die Szene zu erzählen (z. B. Mastershot zur Einführung und zur Orientierung im Raum, Schuss-Gegenschuss-Abfolgen bei Gesprächen, Einstellungsgrössenwechsel planen, Achsensprünge vermeiden, …).
  • In Comic Life jede geplante Kameraeinstellung mit einem Foto dokumentieren. Einstellungsgrösse, Perspektive und Bildkomposition werden dabei möglichst konkret festgelegt. Regieanweisungen und Zusatzhinweise z. B. zu Kamerabewegungen, die nicht im Foto abgebildet werden können, notieren die Teilnehmer*innen in Textform.
  • Alle geplanten Einstellungen einer Szene werden durchnummeriert.
  • Dialogtexte – sofern vorhanden – werden den Einstellungen zugeordnet.
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Beispiel für ein Fotoboard zum Film «Finger weg!» (2015).

Mit Regieanweisungen und Hinweisen für die Kameraarbeit. Man erkennt hier sehr deutlich, dass sich die Einstellungsgrössen zu sehr ähneln.

Tipp: Fehler im Fotoboard lassen sich bei der gemeinsamen Besprechung nach Fertigstellung noch beheben. Indem z. B. einzelne Bilder skaliert und die Einstellungsgrössen so angepasst werden, dass die für die Continuity wichtigen Grössenunterschiede zw. den Einstellungsgrössen nachträglich erreicht werden.

Vorteile des Fotoboards gegenüber einem herkömmlichen Storyboard
  • Storyboards werden gezeichnet und erfordern daher eine gewisse Affinität zum Zeichnen. Die ist bei Jugendlichen nicht immer vorhanden.
  • Das Fotoboard verlangt eine konkrete Auseinandersetzung mit den räumlichen Gegebenheiten vor Ort. Die Jugendlichen erhalten beim Fotografieren eine genaue Vorstellung vom späteren Resultat. Das Storyboard wird in pädagogischen Projekten häufig nicht am Drehort, sondern an einem neutralen Ort gezeichnet und ist daher für die visuelle Umsetzung des Films kaum hilfreich.
  • Beim Fotoboarding entwickeln die Akteure ein Bewusstsein für die Verfilmbarkeit von Ideen. Wenn der Drehort visuell die nötige Atmosphäre nicht liefert, funktioniert die Filmgeschichte möglicherweise nicht. Das wird beim Fotoboarding bereits im Vorfeld bemerkt.
  • Das Fotoboard hilft bei der Dialogentwicklung. Eine Szene kann / muss so gestellt werden, wie sie später verfilmt wird. Das hilft bei der Figurenentwicklung und erleichtert das spontane situative Sprechen.